Weiße Wannen

Definition

Als wasserundurchlässige Betonbauwerke - "Weiße Wannen" - werden solche Bauwerke bezeichnet, bei denen die Stahlbetonkonstruktion neben der tragenden Funktion auch die Abdichtungsfunktion gegenüber dem anstehenden Wasser übernimmt. Typische Anwendungsbereiche sind Verkehrsbauwerke (Wannen, Galerien und Tunnel in offener Bauweise), Behälter und Gründungsbauwerke des Hoch- und Industriebaus.

Daten und Fakten

Maßgebliches Regelwerk in Österreich für diese Anwendung ist die ÖVBB Richtlinie "Wasserundurchlässige Betonbauwerke - Weiße Wannen".
Bei der Betonzusammensetzung für Weiße Wannen ist besonders darauf zu achten, dass der Beton eine gute Verarbeitbarkeit, geringe Wasserabsonderung (Bluten) und ein dichtes Gefüge aufweist. Zur Vermeidung schädlicher Risse ist neben konstruktiven Maßnahmen (z.B. rissbreitenbegrenzende Bewehrung) und bautechnischen Aspekten (z.B. Ausschalzeitpunkt, Nachbehandlung) die Herstellung eines Betons notwendig, bei dem möglichst geringe Temperatur- und Schwindspannungen entstehen.
Dazu sollen die zur Erreichung der geforderten Betoneigenschaften notwendigen Bindemittel- und Wassermengen und die bei der Erhärtung freigesetzte Hydratationswärme gering sein.

Zur Verringerung der Temperaturspannungen ist die Verwendung C3A-freier (Betonstandard 1) oder zumahlstoffhältiger Zemente (Betonstandard 2) zu beachten und/oder es ist ein Teil des Bindemittels mit hydraulisch wirksamen Zusatzstoffen abzudecken. Beton für Weiße Wannen wird in zwei Betonstandards (Betonstandard 1 - BS1 und Betonstandard 2 - BS2) unterteilt. Die wesentlichen Unterschiede betreffen die Anforderungen an das Bindemittel (BS1: C3A-freie Zemente vorgeschrieben, BS2: empfohlen), die Frischbetontemperatur (BS1: max. 22° C mit Ausnahmen, BS2: 27° C), die Ausrüstung der Mischanlage (BS1: Mikroprozessorsteuerung vorgeschrieben, BS2: Mikroprozessorsteuerung empfohlen), den Konformitätsnachweis und die Nachbehandlung.

Grenzen der Anwendbarkeit

Beton für Weiße Wannen, speziell Betonstandard 1, stellt hohe Anforderungen an die Qualität des Betons, um Risse so weit als möglich zu vermeiden. Neben der Betonzusammensetzung hat die Frischbetontemperatur großen Einfluss auf die Temperaturentwicklung, die maximale Bauwerkstemperatur bei der Erhärtung, die Festigkeitsentwicklung und die Endfestigkeit des Betons. Frischbetontemperaturen um 15° C haben sich als besonders günstig erwiesen, Frischbetontemperaturen unter 10° C verlangsamen den Hydratationsfortschritt sehr deutlich, Frischbetontemperaturen über 27° C haben im Allgemeinen negative Auswirkungen auf die Verarbeitbarkeit, Rissegefahr und die Betongüte und sind daher zu vermeiden. Frischbetontemperaturen über
22° C erhöhen bereits die Rissegefahr. Im Sommer sind daher aufwendige Frischbetonkühlungen zumeist unumgänglich.

Nachbehandlung

  • Ungeschalte Betonflächen (Decken- und Sohlplatten)
    Sofort nach der Betonierung ist auf die Betonfläche ein für Frischbeton geeignetes helles Nachbehandlungsmittel aufzubringen. Sobald die Begehbarkeit der Betonfläche gegeben ist, ist zusätzlich eine Nachbehandlung erforderlich.
  • Geschalte Betonflächen
    Die Betonflächen sind sofort nach dem Ausschalen mit einer hellen Abdeckung bis zu einem Betonalter von 7 Tagen zu versehen. Die Abdeckung ist derart auszuführen, dass eine Luftbewegung (Zugluft) entlang der Betonoberfläche möglichst verhindert wird. Bei Betonflächen im Inneren von baulich weitgehend abgeschlossenen Räumen kann in Abhängigkeit vom Raumvolumen und der Temperatur allenfalls eine Abschottung des Raumes ausreichend sein.

Weitere Details siehe ÖVBB Richtlinie "Weiße Wannen".

Produkteinsatz

Betonstandard 1:

Betonstandard 2:

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