Baustellenbericht Reisseck

Der Spatenstich für Österreichs größte Wasserkraft-Baustelle fiel am 8. Oktober 2010. Mit dem 385 Millionen-Euro-Projekt werden die zwei bestehenden Kraftwerksgruppen Reißeck (erbaut in den 1950er Jahren) und Malta (aus den 1970ern) im Kärntner Mölltal hydraulisch verbunden. Durch die Kopplung erwartet sich die Bauherrin, die VERBUND Austrian Hydro Power, Flexibilität in der Energielieferung. Fast alle Bauten werden unterirdisch im Berg errichtet. So zum Beispiel ein fünf Kilometer langer Triebwasser-Stollen oder das Krafthaus, das in einer Kaverne entsteht. Gearbeitet wird seit Juni 2010. In Spitzenzeiten werden 260 Menschen am Berg auf rund 1.600 Meter Seehöhe beschäftigt sein. Rund 30.000 Qubikmeter Spritzbeton werden für das „unsichtbare Karaftwerk“ aufgewendet. Der BLAUE SP aus dem Lafarge Werk Retznei kommt hier wegen seines hervorragenden Erhärtungsverlaufs und seiner hohen Wärmeentwicklung zum Einsatz.
Kaverne mit Platz für Gurker Dom
Das Herzstück des Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II bildet die neue Kavernenkraftstation, die etwa 200 Meter tief in der rechten Hangflanke des Mühldorfer Grabens auf etwa 1.600 Meter Seehöhe errichtet wird. In diesem unterirdischen Kraftwerk werden zwei Pumpturbinen-Maschinensätze mit einer Leistung von jeweils 215 Megawatt installiert. Mit einer Gesamtleistung von 430 Megawatt wird das neue Kraftwerk die Turbinenlesitung der Kraftwerksgruppe Malta/Reißeck um mehr als 40 Prozent erhöhen. Die Kraftwerkskaverne mit den beiden Maschinensätzen wird 58 Meter lang, 25 Meter breit und 43 Meter hoch – in diesen Dimensionen würde auch der Dom zu Gurk Platz finden.
Die Transformatoren befinden sich in einer eigenen Kaverne mit 60 Metern Länge und einer Breite und Höhe von etwa 15 Metern.
Über einen 190 Meter langen Zugangsstollen werden die beiden Kavernen vom Mühldorfer Graben aus erschlossen. Eine weitere Zugangsmöglichkeit ist über den 690 Meter langen Energieableitungsstollen Richtung Burgstall gegeben. Über diesen Stollen wird der erzeugte Strom über ein 220-Kilovolt-Kabelsystem abtransportiert. Im Pumpbetrieb des Kraftwerks dient dieses Übertragungssystem zur Zuleitung der erforderlichen elektrischen Energie. Wie das Kraftwerk selbst, wird auch die Energieableitung nach der Fertigstellung kaum zu sehen sein.
Mischanlage auf 1.600 Meter Seehöhe
Zement und Mehr besichtigte das Bauvorhaben im März dieses Jahres. Der Betonauftrag für die beeindruckende Baustelle ging an die CEMEX Transmobil Baustofferzeugung GmbH. Die Mischanlage produziert 40 Qubikmeter Beton pro Stunde. Eine beheizte und überdachte Kieshalle sorgt Sommer und Winter für die ausgeglichene Temperierung der Zuschläge. Doch nicht nur die Zuschlagmittel-Temperierung ist nicht alltäglich. Die gesamte Montage der Mischanlage war eine logistische Herausforderung, erläuterte uns Ing. Harald Friedrich, Projektleiter der CEMEX. „Aufbaustart war der 27.Septmeber 2010. Sechzehn Tieflader brachten die Mischanlage vor Ort, teilweise musste im Tal auf „Spezialfahrzeuge“ umgeladen werden, um die vierzehn Kilometer lange Bergstraße mit unendlichen Kehren zu überwinden. Die mechanische Montage erfolgte noch am selben Nachmittag mit acht Mann. Schon zwei Tage später, am 29. September erfolgte die erste Zementanlieferung per LKW vom Lafarge-Werk Retznei.




