Betonieren im Sommer

Bei Sommerhitze kommt es immer wieder vor, dass der Beton nicht ordnungsgemäß eingebaut werden kann, weil er zu schnell ansteift, oder dass nach dem Einbau durch Austrocknen Risse und andere Schäden entstehen.
In diesem Kaptitel sind die Regeln zusammengestellt, die ein ordnungsgemäßes Betonieren auch bei Sommerhitze gestatten. Dabei ist es besonders wichtig, dass die nötigen Maßnahmen zeitgerecht vorbereitet werden.

Wann sind Maßnahmen nötig?

Wenn zufolge sehr hoher Aussentemperaturen zu erwarten ist, dass die Frischbetontemperatur 27° C übersteigt. Das Erstarren des Betons geht dann schneller vor sich, sodass er in vielen Fällen nicht mehr ordnungsgemäß verarbeitet werden kann. In diesen Fällen empfiehlt sich die Zugabe von Fließmitteln anstatt Wasser (W/Z-Wert!). Ab Lufttemperaturen von 27° C bis 32° C und Wind, besonders bei geringer Luftfeuchtigkeit (Föhn!), kann der bereits verarbeitete Beton so stark austrocknen, dass störende Risse entstehen oder die Betonoberfläche die erforderliche Festigkeit oder Beständigkeit nicht erreicht („Verdursten“). Der Beton kann auch schon beim Transport zur Einbaustelle stark austrocknen.

Welche Maßnahmen können vorgesehen werden?

  • Temperatur der Ausgangsstoffe des Betons niedrig halten
    Kaltes Anmachwasser verwenden. Wasserbehälter und Wasserleitungen vor Sonneneinstrahlung schützen, hell streichen, (z.B. mit Kalk) oder isolieren. Bei extremen Verhältnissen (lang andauernde Hitzeperioden,Massenbeton) kann man das Anmachwasser in Kühlanlagen bis auf 5° C abkühlen oder mittels Scherbeneis oder Stickstoff kühlen. Um die Betontemperatur um 1° C zu reduzieren, muss die Wassertemperatur um etwa 4° C gesenkt werden.

    Gesteinskörnung nicht der direkten Sonneneinstrahlung aussetzen (Sonnendächer, Matten, Planen). Grobzuschläge durch Berieselung mit Wasser kühlen. Um die Betontemperatur um 1° C zu reduzieren, muss die Temperatur der Gesteinskörnung um etwa 2° C gesenkt werden. Zement kommt im Sommer wegen des großen Ausstoßes der Werke in der stärksten Bausaison meist fabrikswarm auf die Baustelle. Er kann Temperaturen bis zu 80° C aufweisen. Ein Kühlen des Zementes ist wirtschaftlich nicht möglich. Der Einfluss der Zementtemperatur wird allerdings meist überschätzt: Ist der Zement um 10° C wärmer, so erhöht sich die Betontemperatur nur um 1° C
  • Betonzusammensetzung der Temperatur anpassen
    Langsam erhärtende Zemente verwenden. Bei Beton hoher Festigkeitsklasse, für den die Verwendung von CEM 42,5 R oder CEM 52,5 R vorgesehen ist, muss dann im Allgemeinen der Zementgehalt erhöht werden. Erstarrungsbeginn des Betons bei Einbautemperatur prüfen. Vorhaltemaß für die Konsistenz vorsehen. Warmer Beton ist an sich steifer als kühler Beton gleicher Zusammensetzung, weil die Reaktion von Zement und Wasser bei höheren Temperaturen sofort einsetzt. Wegen des Wasserverlustes durch Verdunstung während des Transportes und wegen des schnelleren Erstarrens muss der Beton weicher ausgeliefert werden als bei kühlem Wetter. (Bei Transportbeton muss der Beton bei der Übergabe an der Baustelle trotzdem der bestellten Konsistenz entsprechen.) Statt steifem Beton (C1), der besonders austrocknungsgefährdet ist, soll nach Möglichkeit steif plastischer Beton (C2) vorgesehen werden. Wenn nötig, erstarrungsverzögernde und/oder verarbeitungsverlängernde Zusatzmittel verwenden. Verzögerer sind bei heißem Wetter nur bei weichem Beton (F45) und darüber wirksam. Bei steifem Beton (C1) helfen Sie kaum, weil ihre Wirkung vom Ansteifen durch Wasserverlust beim Transport stark beeinträchtigt wird. Auch bei weicherem Beton ist die Wirkung schwächer als bei Normaltemperatur. Vorsicht: Verzögerer können bei heißem Wetter zu Beschleunigern umschlagen. Sie müssen auf Zement abgestimmt sein. Beratung des Herstellers einholen, Erstprüfung durchführen und Temperaturempfindlichkeit des Zusatzmittels überprüfen.
Lafarge

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